• Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Käuze (Strix)
  • Art: Waldkauz

Waldkauz (Strix aluco)

Blick ins Geschichtsbuch

Wegen seinem runden Kopf, wurde der Vergleich mit einer Katze hervorgerufen, worauf der Ausdruck Katzenauff oder Katzenäugel beruht. Weitere deutschsprachige Bezeichnungen sind Nacht-, Wald-, Stockeule und Nachtkauz.

Dass die meisten Eulen ausgerechnet die Nacht bevorzugen, sahen Abergläubige als Beweis für ihr böses Wesen. Die nächtlichen „Ku-witt“-Rufe des Waldkauzes zum Beispiel wurden als „Komm mit“ interpretiert und kündigten den angeblich baldigen Tod eines nahestehenden Menschen an. Wer diesem drohenden Schicksal entkommen wollte, nagelte eine getötete Eule an das Scheunentor. Das schlechte Image des Waldkauzes und seiner Eulenverwandtschaft hat sich glücklicherweise deutlich verbessert. Faszination für das Tier löste den tief verwurzelten Aberglauben größtenteils ab.

Ruf des Waldkauzes - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Das lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“ erklingt, wenn Waldkäuze balzen oder ihre Reviere markieren – vor allem im Herbst und Spätwinter. Fast das ganze Jahr über machen sie außerdem durch ihren Kontaktruf „ku-witt“ auf sich aufmerksam. Auch wenn meist das Männchen singt, können beide Geschlechter sowohl den Balzgesang als auch den Kontaktruf äußern, wobei der Ton des Weibchens jeweils etwas höher und heiserer klingt.

Aussehen

Zum Vergrößern klicken/ Foto: Rosl Rössner

Waldkäuze besitzen einen großen und runden Kopf mit schwarzen Augen, jedoch keine Federohren. Sie haben eine kompakte Gestalt und ihre Grundfärbung variiert von rostbraun bis graubraun mit dunklen Flecken. Ihr großer Kopf sitzt auf einem gedrungenen Rumpf. Sein freundliches Aussehen verdankt er seinen großen runden „Knopfaugen“ im dunkel umrahmten hellen Gesichtsschleier. Der stark gekrümmte Schnabel ist beim Waldkauz gelblich. 

Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringen 400 bis 600n Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner. Unabhängig vom Geschlecht oder Alter hat ein Teil der Waldkäuze eine graubraune Grundfärbung des Federkleides, andere eine rotbraune. Man spricht von zwei verschiedenen Farbmorphen, ähnlich den unterschiedlichen Haar- und Augenfarben beim Menschen. In jedem Fall sind die Käuze durch ihr rindenfarbenes Äußeres meist gut getarnt.

Geräuschlos durch die Nacht

Wie alle Eulen fliegen Waldkäuze nahezu geräuschlos: Ein besonders dichtes und samtartiges Polster auf der Oberseite der Flügel und kammartige Zähnchen an den Kanten der äußersten Flügelfedern verwirbeln den Luftstrom beim Fliegen und unterdrücken so jedes Geräusch. Waldkäuze sehen ausgezeichnet im Dunkeln, solange noch ein wenig Restlicht vorhanden ist. Ihre großen Augen nehmen besonders viel Licht auf, die Iris kann das einfallende Licht perfekt regulieren und garantiert so eine optimale Sichtleistung am Tage und in der Nacht.  

Bei völliger Dunkelheit verlassen sich jagende Waldkäuze ausschließlich auf ihr Gehör: Geräusche werden durch die Trichterwirkung des Gesichtsschleiers schallverstärkt an die unter den Federn versteckten großen Ohren weitergeleitet. Die leicht asymmetrische Anordnung der Ohren führt dazu, dass Geräusche von anvisierten Beutetieren mit minimalem Zeitunterschied wahrgenommen werden. Das hilft dem Waldkauz, seine Beute genau anzupeilen.

Lebensraum: Laubwälder bevorzugt

Die ursprüngliche Heimat von Waldkäuzen ist der Laubmischwald. Aber Laubbäume alleine reichen noch nicht für einen geeigneten Waldkauz-Lebensraum. Besonders wichtig sind große, alte Bäume mit vielen Höhlen, in denen die Käuze brüten können. Solche Bäume gibt es in unseren Wirtschaftswäldern jedoch kaum. Sie werden gefällt, bevor sie alt genug sind, um Höhlen auszubilden. Dazu dominieren heute vielerorts monotone Nadelbaum-Forste.

Wie viele andere Waldvögel finden auch Waldkäuze immer häufiger in Parkanlagen und Alleen, auf Friedhöfen oder ähnlichen städtischen Bereichen ein neues Zuhause.

Nahrung: Flexible Beutewahl

Ganz oben auf dem Speiseplan stehen neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen vor allem Mäuse. Sind diese Kleinsäuger nicht zu haben, weichen Waldkäuze auf Vögel aus. Gerade bei Waldkäuzen im Siedlungsraum stellen sie oft den Großteil der Nahrung. Sogar Höhlenbrüter angelt er geschickt mit den langen Beinen durch das Flugloch hindurch. Bis zu 300 Gramm schwere Tiere kann der Waldkauz überwältigen und abtransportieren. Dabei frisst er gelegentlich auch kleinere Eulen, wie den Raufuß- oder den Sperlingskauz. Frösche, Kröten, Käfer und sogar Regenwürmer sind ebenfalls Nahrungsquellen für ihn. Selten wurden die lautlosen Jäger sogar beim Fischen beobachtet.

Im Vergleich zu anderen Eulenarten ist ihre Nahrungswahl sehr flexibel – sicher einer der Gründe dafür, dass der Waldkauz unsere häufigste Eule ist. Waldkäuze beginnen etwa zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang mit der Nahrungssuche. Sie sind sehr wendige Ansitzjäger, aber bei der Jagd am Boden ebenso geschickt. Wirbellose und Beutetiere bis Mausgröße verschlingt der Waldkauz vollständig, große Beute zerteilt er zumindest grob.

Fortpflanzung

Juveniler Waldkauz (Foto: Ferdinand Baer)

Waldkäuze brüten nur einmal jährlich. Legebeginn ist dabei je nach Witterung im Februar oder März. In Städten sind sie früher dran – oft schon im Januar – im Wald dagegen später. Ist das Nahrungsangebot schlecht, kann die Brut in einem Jahr auch ausfallen.

Das Weibchen brütet allein. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu. Der Waldkauz ist als strenger Wächter seiner Brut bekannt. Kreischend setzt er sich gegen Feinde zur Wehr, seine Gegenwehr erfolgt meist von hinten und ohne Vorwarnung. Ihre Reviere verteidigen Waldkäuze ebenfalls sehr aggressiv gegen Rivalen – auch gegen andere Eulenarten.

Die Jungen wiegen nach dem Schlupf nur 28 Gramm. Die Waldkauzmutter bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege, das in der Regel aus zwei bis vier Eiern besteht, die meist in zweitägigem Abstand gelegt werden. Die Brut beginnt häufig schon nach der Ablage des ersten Eis und dauert für jedes Ei 28 bis 29 Tage. Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist - scheinbar verlassen - auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann "Ästlinge"genannt und geben ihre Position durch ständige heisere"kszik"-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um die Jungen. Zu Beginn der Herbstbalz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und müssen sich ein eigenes suchen. Nur die Hälfte der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr. Einmal erwachsen, können sie in freier Natur bis zu 19 Jahre alt werden.