• Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
  • Familie: Falkenartige (Falconidae)
  • Unterfamilie: Eigentliche Falken (Falconinae)
  • Gattung: Falken (Falco)
  • Art: Turmfalke

Turmfalke (Falco tunninculus)

Größe: etwa taubengroß

Aussehen: Männchen mit aschgrauem Kopf, Weibchen mit braunem Kopf; Oberseite rotbraun, schwarz gepunktet; Unterseite beigebraun, dunkel geflekt

Stimme: scharfe Rufe "ki ki ki..."

Vorkommen: offnene Kulturlandschaft, brütet in Siedlungen und alten Krähennestern

Volkstümliche Namen

Der Turmfalke bevorzugt hochgelegene Brutplätze. Auf diese Vorliebe ist auch seine Bezeichnung als Mauer-, Dom- oder Kirchfalke zurückzuführen. Der Name 'Rüttelfalke' weist auf das charakteristische Stoppen im Flug hin, durch das er Beute besser erspähen kann.

Ruf des Turmfalken - hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Beschreibung

Der Turmfalke ist ein überwiegend rotbraun gefärbter Greifvogel mit unterschiedlicher Kopf- und Schwanzfärbung bei Männchen und Weibchen: Männchen besitzen einen hellgrauen Kopf und hellgraue Schwanzfedern, während die Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind mit einer Querbänderung am Schwanz. Das Weibchen ist etwas schwerer als das Männchen (W: ca. 260g Ø, M: ca. 200g Ø)

Stimme

Ein ganz charakteristischer Ruf ist das ti,ti,ti, ein Erregungslaut, der vor allem dann zu hören ist, wenn die Vögel am Nest gestört werden. Varianten dieses Rufes treten aber auch auf kurz bevor das Männchen die Beute am Nest übergibt. Ein anderer charakteristischer Ruf ist das so genannte "Lahnen", ein Bettelruf der Jungtiere, der aber auch vom Weibchen während der Balz zu hören ist wenn sie das Männchen während der Brutzeit um Futter anbettelt. Ein kurzer Begrüßungsruf, den man am Nistplatz hören kann, ist ein "tük".

Nahrung

Die Nahrung besteht bei Stadtbewohnern hauptsächlich aus Sperlingen und anderen Kleinvögeln, bei Landbewohnern vor allem aus Kleinsäugern wie Feldmaus, Rötelmaus, Spitzmaus, Maulwurf und Wühlmaus. Auch werden Insekten wie Heuschrecken und Käfer oder Reptilien und Eidechsen nicht verschmäht. Der Turmfalke gehört zu den sog. Bisstötern, d.h. er benutzt seine Fänge nur zum Festhalten der Beute und tötet diese mit einem Biss in die Wirbelsäule, direkt hinter der Kopfkapsel, so dass die Beute sofort tot ist. Hierfür ist der Schnabel mit dem sog. "Falkenzahn" ausgerüstet, eine Ausbuchtung der oberen Schnabelschneide.

Fortpflanzung

Das natürliche Bruthabitat der Turmfalken sind Felsregionen, wo sie in Spalten und Höhlen von Felsen brüten. In felsarmen Regionen hingegen suchen sie sich alte und verlassene Krähen- oder Elsternester an Waldrändern und in Feldgehölzen, da sie (wie alle Falken) keine Nester bauen. In der mitteleuropäischen Agrarlandschaft machen diese Brutplätze ca. 5-20% aus. Die meisten Turmfalken besiedeln jedoch Sekundärhabitate (Kirchtürme und andere hohe Gebäude wie z.B. Burgruinen) in Städten und Ortschaften. Denn diese bieten den Turmfalken oft die Möglichkeit in Felsnischen und Mauerlöchern zu brüten. Turmfalken brüten ab dem 2. Lebensjahr, pro Gelege meist 3-6 Eier. Die Brutzeit beginnt Mitte April. Nur das Weibchen brütet, während das Männchen dieses mit Beutetieren versorgt. Die Brutdauer beträgt etwa 27-29 Tage. Nach dem die Jungen geschlüpft sind dauert es ca. 8 Wochen bis sie ausfliegen.

Lebensraum / Verbreitung

(Karte: Rödl et al. (2012): Atlas der Brutvögel in Bayern. Verlag Eugen Ulmer)

Der Turmfalke besiedelt fast alle Klimazonen in Europa, Asien und Afrika. Hierbei gibt es Stand-, Strich- und Zugvögel. Die Strichvögel unterscheiden sich von den Zugvögeln dadurch, dass sie vor allem im Winter ihr Brutgebiet verlassen, aber in unseren Breiten bleiben während die Zugvögel nach Süden fliegen.

In Mitteleuropa werden Brutbiotope mit abwechslungsreicher Kulturlandschaft bevorzugt. Dicht geschlossene Waldbestände und völlig baumlose Steppen (Agrarsteppen) werden gemieden. Der Turmfalke nutzt auch Strommasten von Starkstromleitungen als Nistplatz wenn keine Bäume vorhanden sind. Zum Jagen werden freie Flächen mit niedrigem Bewuchs benötigt.

Bestand

In Deutschland gibt es aktuell zwischen 42.000 - 68.000 Brutpaare. Durch kalte Winter oder schlechte Mäusejahre kann es kurzzeitig zu Bestandseinbußen kommen. In großräumigen Landschaftsausschnitten meist um 10 BP/100 km2, unter günstigen Ernährungsbedingungen aber höher. Bei hohen Waldanteil und im Hochgebirge niedrigere Werte.