Bekassine
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
  • Untergattung: Singvögel (Passeri)
  • Gattung: Bekassinen (Gallinago)
  • Art: Bekassine

Bekassine (Gallinago gallinago)

Steckbrief

Größe: amsel- bis taubengroß

Aussehen: kugeliger Bauch, beige-braunes Federkleid

Stimme: Ruf variiert: "Kä-ätsch", "tick-a tick-a", Wummern bei Balzflug

Vorkommen: extensive Feuchtwiesen, Moore

 

Volkstümliche Namen

Während des Balzfluges bringt die Bekassine durch Vibrieren der Schwanzfedern eigentümlich meckernde, klingende, zitternde und knurrende Laute hervor, dass ein Vergleich mit dem Meckern der Ziegen und Schafe und dem Wiehern von Pferden wohl angebracht schien. Aus diesem Grund erklären sich die Benennungen wie beispielsweise deutsche Himmelsziege, Himmelsgeiß, Haberziege ("Haber" = Hafer), Haberbock, Haberlämmchen.

Ruf der Bekassine beim Auffliegen - Hier abspielen! (www.vogelstimmen.de)

Gefährdung

Vom Aussterben bedroht! Rote Liste 1 in Bayern.

Bestandsabnahme vor allem durch intensive landwirtschaftliche Nutzung von feuchten Wiesen, z.B. durch Maisanbau, Torfabbau für Gärten und Jagd in Südeuropa.

Beschreibung

Die Bekassine  bewegt sie sich meist geduckt. Dabei kommen ihr der untersetzte Körper und die kurzen Beine zugute. Nur ein geübter Beobachter erkennt die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen.

Von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende misst sie zwischen 23 und 28 Zentimeter. Mit sieben Zentimetern  ist der Schnabel überproportional lang und gerade und damit ihr auffälligstes Kennzeichen. Die hellen Streifen an Kopf und Oberseite unterscheiden sie von anderen ähnlichen Vögeln wie Schnepfen.

Lebensraum / Verbreitung

Bekassinen brüten in feuchtem Grünland mit unterschiedlich hoher Vegetation aus bspw. Gräsern, Seggen und Binsen, auf extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen und Nassbrachen. Zwischen der Vegetation kann sie in Deckung gehen, doch gibt es zugleich genug offene, schlammige Bereiche und Flachwasserstellen, wo sie leichter Nahrung findet.

Flächen, auf denen es heute noch Bekassinen gibt, werden meist extensiv genutzt und die Mahd ist zeitlich angepasst. So finden die Vögel Deckung und Insektennahrung während der Jungenaufzucht. Außerhalb von Schutzgebieten und renaturierten Flächen finden sich diese Bedingungen kaum noch.

Das Verbreitungsgebiet der Bekassine erstreckt sich von Island, den Faröer-Inseln, den Britischen Inseln sowie den Azoren auf das eurasische Festland nach Süden bis Südfrankreich, Norditalien und das südöstliche Europa. Ostwärts reicht es weit über Europa hinaus bis Kamtschatka, zu den Bering-Inseln und den Kurilen. Nordwärts brüten Bekassinen bis ans Nordkap.

Für Gesamt-Europa schwanken aktuelle Schätzungen zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren. Zwei Drittel des mitteleuropäischen Bestandes von etwa 24.000 bis 45.000 Paaren leben in Polen.

Die meisten Bekassinen sind Kurzstreckenzieher, einige fliegen aber auch lange Strecken. Ihre Überwinterungsgebiete sind weit gestreut über Nordwest-, West- und Süd-Europa, rund um das Mittelmeergebiet, Vorder- und Süd-Asien, die nördlichen Tropen West-Afrikas bis südlich des Äquators. Einzelne überfliegen sogar die wasserlose Sahara und rasten in entlegensten südlichen Oasen.

Weiteste Ringfunde stammen aus dem Senegal, dem Tschad und aus Guinea-Bissau und beweisen Distanzen von über 2.000 Kilometern zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten. Einige der hierzulande brütenden Vögel verzichten in milden Jahren in Deutschland auf den Wegzug. Die meisten der heimischen Brutvögel verbringen den Winter jedoch in Südfrankreich, Spanien und Portugal. Manche lieben kühlere Gefilde und ziehen zu den Britischen Inseln. Der Wegzug setzt im nördlichen Verbreitungsgebiet im Juli ein und zieht sich je nach Witterungsverhältnissen bis November oder sogar Januar hin. Mitte März fliegen die meisten Bekassinen wieder zurück zu uns in ihre Brutgebiete.

Verbreitung in Bayern

Verbreitung der Bekassine in Bayern (Karte: Rödl et al. (2012): Atlas der Brutvögel in Bayern. Verlag Eugen Ulmer)

Die Bekassine ist in Bayern nur regional verbreitet und sehr selten. Der Bestand liegt bei 600 bis max. 900 Brutpaaren.

Seit den 1990er Jahren ist das Areal geschrumpft. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen in Mittelfranken (Wiesmet) und Unterfranken (Lange Rhön) und im voralpinen Hügel- und Moorland (Ampermoos, Murnauer Moos). Daneben gibt es wenige isolierte Einzel- oder Kleinstvorkommen. Vor allem die fränkischen und niederbayerischen Vorkommen haben sich auch in den Verbreitungsschwerpunkten verringert. Die größten Bestände leben noch in der Langen Rhön und im Wiesmetgebiet (Altmühl) erreicht. Nur in Gebieten mit aktiven Managementmaßnahmen hat eine positive Entwicklung stattgefunden.

Fortpflanzung

Wenn die Bekassinen in ihre Brutgebiete zurückkehren, beginnt ein akrobatischer Revierkampf. Ihr Kunstflug ist das wichtigste Element bei der Balz und daher besonders gut von Februar bis Mai zu beobachten. Bis auf meist 50 Meter Höhe  steigen die Männchen beim „Himmeln“ in scharfem Zickzack steil auf, um dann jäh zur Seite abzukippen. Nun spreizen sie die Schwanzfedern zum Fächer und stürzen „wummernd“ im Winkel von etwa 50 Grad schräg nach unten. Solche Steilflüge können Bekassinen viele Minuten lang wiederholen.

Paare finden sich für die Dauer einer Saison, wobei die Männchen vor allem zu Beginn der Balz auch fremde Weibchen begatten. Den Nistplatz sucht das Weibchen aus. Es wählt dafür eine flache Mulde auf einem leicht erhöhten Standort, die durch Halme oder Zwergsträucher verdeckt ist, und polstert sie mit trockenen Grashalmen aus. Ab Ende April legt es im Abstand von je 24 Stunden meist vier graue bis olivfarbene, dunkel gesprenkelte Eier und brütet sie zirka 20 Tage lang aus. Das Männchen hält derweil in Sichtweite Wache.

Nach dem Schlüpfen verlassen die Küken bereits am ersten Tag das Nest. Sie suchen schon selbst Nahrung, die Eltern führen sie jedoch noch. Neben Würmern, Schnecken und Insekten fressen sie auch Beeren und Sämereien.
Etwa drei Wochen nach dem Schlüpfen werden Bekassinen flügge. 

Besonderheiten der Bekassine

Kükentransport

Bei Gefahr können die Elterntiere ihre Küken innerhalb von Sekunden mit dem Schnabel und den Beinen an ihren Bauch drücken und so sogar davonfliegen. Fast alle Säugetiere beherrschen Techniken, wie sie ihre Jungen in Sicherheit bringen.
Bei Vögeln ist dies jedoch nur von etwa 25 Arten bekannt.

Der Schnabel

Bekassinen können mit ihrem Schnabel in den oberen Bodenschichten zugleich stochern, Kleintiere orten und tasten. Der Oberschnabel ist vorne biegsam, so dass sich der geschlossene Schnabel leicht in den weichen Sumpfboden bohren lässt. Kleine Beutetiere können die Vögel verschlucken, ohne ihn wieder aus der Erde ziehen zu müssen. Bei festeren Böden müssen sie den Schnabel schon beim Einstechen leicht öffnen, um wie mit einer Pinzette greifen zu können.

Das "Wummern"

Während ihres Balzfluges können Bekassinen-Männchen lautstark „wummern“ (auch "Meckern") hören. Dieser Instrumentallaut entsteht durch die Luft, die beim Sturzflug an den abgespreizten äußeren Schwanzfedern entlangstreift.